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Das vedische Konzept von Maya und Matrix

von | Mrz 4, 2024 | Artikel, Matrix-Hypothese

Maya ist die klassische Matrix

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Buch „Die Matrix-Hypothese“, der darauf eingeht, dass das vedische Konzept von Maya exakt das beschreibt, was wir heute unter dem Begriff „Matrix“ verstehen, wenn wir von einem virtuellen Konstrukt sprechen. Dieses Realitätsverständnis hat das Potenzial, alle isolierten Paradoxien und Auffälligkeiten auf der Weltbühne in ein vereinheitlichtes Paradigma zu überführen.

Wenn wir uns der Vorstellung, dass die physische Realität nur eine künstliche Illusion eines virtuellen Konstruktes sein könnte, nähern wollen, dann müssen wir bei den vedischen Schriften anfangen. Die westliche Philosophie tangiert diese Lehre nur peripher. In Europa haben die meisten Menschen bestenfalls einen Berührungspunkt mit diesen Texten, wenn Sie sich mit den Heilslehren des Ayurveda beschäftigt haben. Das ist nur ein kleiner Teilbereich der gesamten Schriftsammlung. Die westliche Interpretation der Veden vernachlässigt dabei oft die philosophischen Grundlagen, wozu eben auch das Verständnis von der Maya gehört. Welcher Konsument möchte schon mit „Science-Fiction-Konzepten“ konfrontiert werden, wenn er nur nach einer entspannenden Massage sucht, die mit traditionellem Anspruch wirbt?

Mit ihrem fundamentalen Verständnis der Maya haben die Veden schon vor tausenden Jahren eine Grundlage definiert, die wir heute am elegantesten mithilfe von Computersystemen in einem Sinnbild veranschaulichen können. Erst durch Technologien wie der virtuellen Realität und komplexen Apparaturen wie den dazugehörigen Rechnern und VR-Brillen haben wir eine hinreichende Allegorie, um zu assoziieren, was die alte indische Hochkultur schon vor Jahrtausenden für das Fundament ihrer Weltsicht hielt: Die physische Realität ist ein Schleier der Illusion.

Die Veden im Überblick

Lassen Sie mich einen groben Überblick über die Schriften geben, bevor wir das darin enthaltene Grundkonzept der Maya näher beleuchten. Die Veden gehören zu den ältesten heiligen Texten der Welt – wobei ihr genaues Alter unter Gelehrten umstritten ist. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass sie über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten verfasst wurden. Es wird geschätzt, dass die frühesten Teile auf etwa 1500 v. Chr. und die jüngsten auf ca. 500 v. Chr. zurückgehen. Damit sind die Veden etwa 2500 bis 3500 Jahre alt. Diese Schriften bilden die Grundlage des Hinduismus, einer der ältesten Religionen der Welt. Es gibt vier Haupt-Veden, die jeweils in vier weitere Abschnitte unterteilt sind, sodass sich insgesamt 16 Texte ergeben.

Die Veden werden im Hinduismus hochverehrt und gelten als maßgebliche Schriften, die Anleitung zu religiösen Ritualen, Philosophie, Ethik und Spiritualität geben. Sie haben das Denken, die Kultur und die Praktiken des Hinduismus seit Tausenden von Jahren tiefgreifend beeinflusst und werden auch heute noch von Gelehrten und Praktikern des Hinduismus studiert. Hinzu kommen diverse moderne Strömungen, die im Lichte neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse die Inhalte neu interpretieren.

Das Maya-Konzept

In den vedischen und späteren philosophischen Traditionen des Hinduismus wird das Konzept der Maya oft als eine Illusion oder ein virtuelles Konstrukt beschrieben, welches unsere Wahrnehmung der Realität verzerrt. Maya ist eine komplexe und tiefgründige Idee, die von verschiedenen Denkschulen innerhalb des Hinduismus auf vielfältige Weise interpretiert wurde. Die Maya wird oft als die Macht oder schöpferische Kraft verstanden, die die wahre Natur der Realität verbirgt und den Menschen dazu veranlasst, die Welt als eine Vielzahl von getrennten und unterschiedlichen Entitäten wahrzunehmen, anstatt die zugrunde liegende Einheit aller Dinge zu erkennen, was auch im Hidden-Hand-Interview betont wird. Diese Interpretation wird uns später im Verlauf der wissenschaftlichen Ausdeutung der Matrix wiederbegegnen – behalten wir das Konzept der Singularität also im Hinterkopf.

„Die Quantenphysik offenbart eine grundlegende Einheit des Universums.“


Erwin Schrödinger


Primär möchte ich an dieser Stelle ein paar Grundlagen geben, wie sich das Konzept der Maya auf die Idee eines virtuellen Konstrukts bzw. einer Computersimulation herunterbrechen lässt. Ich benutze praktisch das Funktionsprinzip der VR-Brille, um den „Schleier der Illusion“ zu veranschaulichen, wie er in den Veden erklärt wird:

  • Die illusorische Natur der Welt: Maya legt nahe, dass die physische Welt, die wir wahrnehmen, nicht die letztendliche Realität ist, sondern vielmehr eine Projektion oder Illusion, die von unseren Sinnen und geistigen Fähigkeiten empfangen, gleichzeitig aber auch geschaffen wird. Ähnlich wie eine Simulation der virtuellen Realität (VR) eine überzeugende, aber unwirkliche Erfahrung kreieren kann, soll Maya eine glaubwürdige, aber dennoch illusorische Welt schaffen.
  • Verzerrung der Wahrnehmung: Maya verzerrt unsere Wahrnehmung der Realität, ähnlich wie Virtual Reality unsere Wahrnehmung der physischen Welt verzerren kann. Sie lässt uns glauben, dass die materielle Welt mit ihrer Vielfältigkeit und Dualität die einzige Realität ist, während die wahre Realität (Brahman) jenseits unserer gewöhnlichen Sinne und Konzepte liegt.
  • Das Erwachen zur Wahrheit: So wie jemand, der eine VR-Brille trägt, eine andere Realität erleben kann, bis er sie abnimmt, ist das Ziel beim Verstehen von Maya, sie zu transzendieren. Im Advaita Vedanta beinhaltet die Verwirklichung (Selbstverwirklichung oder Erleuchtung) die Erkenntnis, dass die Welt von Maya nicht die ultimative Wahrheit ist, sondern eher eine Illusion, und dass die wahre Realität außerhalb des Konstruktes lieg, wobei alles Sein einer Singularität entspringt. Erst wenn man die VR-Brille entfernt, erkennt man die „Wahrheit“ und ist „erleuchtet“.
  • Vergleich mit einem Traum: Maya wird oft mit einem Traum verglichen. In einem Traum erleben wir eine lebendige und eindringliche Realität. Erst nach dem Aufwachen stellen wir fest, dass sie nicht real war. In ähnlicher Weise schafft Maya eine kausale und lineare, aber letztlich unwirkliche Erfahrungswelt, und die Erleuchtung ist vergleichbar mit dem „Aufwachen“ aus diesem Traum.

Es ist essenziell, anzumerken, dass das Konzept der Maya nicht zwangsläufig auf eine technologische Apparatur hindeutet – es ist primär eine tiefgreifende metaphysische und philosophische Idee. Die Vorstellung einer technischen virtuellen Realität dient nur als Schlüsselkonzept dazu, die vedische Lehre zu veranschaulichen. Die Maya wird verwendet, um die scheinbare Dualität und Vielfalt der Welt zu erklären, und gleichzeitig die zugrunde liegende Einheit aller Dinge in der ultimativen Realität, Brahman, zu betonen. Die verschiedenen Schulen der Hindu-Philosophie mögen marginal unterschiedliche Interpretationen von Maya haben, aber der Kerngedanke der Illusion und das Streben nach ihrer Überwindung ist ein roter Faden.

Die Maya mit ihren diversen Reichen und Dimensionen.
Die Maya mit ihren diversen Reichen und Dimensionen.

Was jedoch für den einen ein stringenter Faden ist, der sich durch die Geschichte der Weltphilosophien zieht, ist für die meisten Materialisten nur ein weiteres religiöses Narrativ, welches viel zu fantastisch klingt, um wahr zu sein. Wer sich aber tiefer mit den alten indischen Schriften beschäftigt, der wird auf erstaunliche Konzepte treffen, die wir aus der modernen Wissenschaft kennen. Beispielsweise haben Bücher wie die „Autobiografie eines Yogi“1 von Paramahansa Yogananda in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen, die Parallelen zwischen westlichen Wissenschaftslehren und vedischen Anschauungen zu ziehen. Auch heute noch gilt das Buch als ein Standardwerk in den spirituellen Kreisen. Inmitten der persönlichen Anekdoten Yogananadas findet man immer wieder Hinweise darauf, dass die Veden ein erstaunliches Wissen bezüglich physischer Zusammenhänge erfassten. Beispielsweise hatten die alten Inder ein Konzept von der atomaren Struktur der materiellen Welt. Kurioserweise gilt das auch für die alten Griechen, die lange vor Niels Bohr (1913) ein Atommodell etablierten.


  1. „Autobiographie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda ist ein weit verbreitetes Buch und unterliegt keinen urheberrechtlichen Beschränkungen. Daher können Sie es über verschiedene Quellen finden, sowohl online als auch in physischen Buchläden. ↩︎

Über den Autor

Hallo, mein Name ist Christian Köhlert, ich bin Therapeut, Autor, Designer und Produzent digitaler Inhalte. Primär lebe ich in Vauderens im Kanton Freiburg in der Schweiz. Ich habe mich schon immer für die Mysterien des Lebens begeistert und viele Jahre mit dem Studium diverser Fachgebiete – von Hermetik bis Quantenphysik – verbracht. Die Essenz meiner Recherchen veröffentliche ich auf dieser Seite.

Christian Köhlert Autor der Phönix- und Matrix-Hypothese

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